Donnerstag, 22. Juni 2017

Meine Grenzen und die Grenzen der Anderen

Vielleicht hat die ein oder andere den Beitrag "Rausschmiss bei Aldi" gelesen. Ich hab den Beitrag bei Facebook entdeckt und auch die vielen meistens zustimmenden Kommentare dazu gelesen.
In ihrem Blogpost beschreibt eine junge Mama, wie sie mit ihren Zwillingen bei Aldi einkaufen geht und ein Mädchen an der Kasse schließlich laut anfängt zu schreien, weil es noch etwas haben wollte. Das Kind klammert sich ans Bein der Mutter, die zunächst versucht, den Einkauf zu beenden und sich dann schließlich hinter der Kasse dem Kind zuwendet, um herauszufinden was es möchte. Da das Kind weiter laut schreit, fühlen sich einige Kunden gestört und geben wenig hilfreiche und auch beleidigenden Kommentare ab, auf die die Mutter reagiert, um sich aber dann wieder dem schreienden Kind zuzuwenden. Schließlich schaltete sich der Filialleiter ein und bittet die Mutter den Markt zu verlassen. Die Situation spitzt sich emotional zu bis schließlich das Kind ganz ruhig wird und die Hand der Mutter nimmt und sie aus dem Laden führt. (So die grobe Zusammenfassung)

Der Beitrag beschäftigt mich, denn ich bin mir sicher, dass ich in einer solchen Situation nicht so hätte handeln können und nicht so gehandelt hätte.
Prinzipiell finde ich es gut und wichtig zu schauen, wie es meinem Kind gerade geht und zu schauen, was gerade sein Bedürfnis ist. Genauso wichtig ist aber auch mein Bedürfnis, den Einkauf stressfrei über die Bühne zu bringen und genauso wichtig finde ich es auch, das Bedürfnis Anderer zu respektieren, in Ruhe einzukaufen bzw. dort zu arbeiten.

Ganz sicher hätte ich mit meinem schreienden Kind sehr schnell den Laden verlassen und hätte versucht, die Situation draußen zu klären. Denn im Laden zu bleiben, hätte für mich einen enormen Stress bedeutet und ja auch die anderen Kunden verständlicherweise weiter gestört. Ich denke, auch für das Kind war das Verharren in der Situation im Laden nicht gut, denn neben seinem eigenen Problem (ich wollte doch noch was Süßes), spürte ja auch das Kind die missbilligenden Blicke der anderen Kunden und fühlte sich weiter unter Stress. Es ist bezeichnend, dass die Initiative für die Beendigung der Situation hier schließlich vom Kind kam.

So wie ich es verstehe, beschreibt dies, die Haltung der Mutter (korrigiert mich, wenn ich falsch liege), die möchte ja das Kind lediglich begleiten und passt sich zu einem sehr großen Teil den Bedürfnissen der Kinder an (Bobbycar rein, Bobbycar raus). Die Kinder dürfen sich frei bewegen und ihren Impulsen folgen, aber ist das nicht auch eine Überforderung? Wollen Kinder nicht auch das Gefühl haben, dass die Mama das ein oder andere für sie regelt, einen Rahmen vorgibt und vielleicht sogar entscheidet (Wir gehen ja eh noch in den anderen Supermarkt, dann schauen wir da nach einem Naschi)?

Mich lässt der Beitrag jedenfalls mit einigen Fragen zurück und wie geht es euch damit?

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Da hast du recht!

andrea hat gesagt…

hallo micha, ich finds ganz wunderbar, dass da einige fragen bei dir entstehen und offen bleiben. quasi als spielraum, um die eigene position zu hinterfragen, eigene muster und werte. meines erachtens ist genau das das geschenk des zusammenlebens von dem wir alle lernen dürfen in solchen situationen. lernen, dass es kein allgemeines 'richtig oder falsch' gibt, sondern immer nur eine individuelle sicht auf die dinge. mir hilft es ungemein, mir bewusst zu machen, dass jeder der an der situation beteiligten (einschliesslich wir, die wir ja nun auch beteiligt sind) immer so gut ist, wie er in diesem moment zu sein vermag. und das es da gar nicht um besser oder schlechter geht. klar, wir haben das permanente beurteilen gelernt, es hilft uns zu überleben und insofern ist es auch notwendig, um das eigene wertegemässe handeln zu entwickeln. darüberhinaus (quasi als be- bzw verurteilung des anderen) schafft es m.e. eher eine abgrenzende distanz. den genaugenommen, mal verhalten wir uns wie die mutter, mal wie das kind, mal wie der kunde, mal wie der filialleiter. menschen eben :-) liebe grüße und starke feiernerven! andrea