Donnerstag, 28. Januar 2016

Werte? Ja, bitte!

Letztens hat die liebe Frühlingskindermama in ihrem Beitrag "Elternurteil, Einflussnahme und Neutralität" darüber nachgedacht, ob sie ihren Kindern ihre Einstellung zu bestimmten Themen und Werte vermitteln möchte oder ob sie lieber eine möglichst neutrale Haltung einnehmen soll, um das Kind eigene Erfahrungen machen zulassen. Wenn ich es richtig verstanden habe (Bitte korrigiere mich, wenn nicht!"), ging es ihr vor allem darum, zu vermeiden, den Kindern einseitig eine Sache als "gut" oder "schlecht" zu etikettieren, um sie nicht in nur eine Richtung zu beeinflussen.

Klar gibt es Familien - und ich bin sicher, wir kennen sie alle -, in der es sehr klare Vorstellungen von "richtig und falsch" gibt und in der schnell zu Urteilen und manchmal auch zu Verurteilungen gegriffen wird. "Genieße die Kindergartenzeit, wenn du in die Schule kommst, ist alles vorbei!" Auch sehr beliebt, sind die "du bist"-Zuschreibungen. "Du bist ein so zurückhaltendes Mädchen, da ist das Fußballspielen aber nichts für dich!" Immer wenn Urteile einengen und zu Zuschreibungen werden sind sie mit Vorsicht zu genießen.
Trotzdem finde ich es sehr wichtig, den Kindern Werte zu vermitteln und authentisch zu meiner Weltsicht zu stehen. Besonders wichtig ist für mich dabei der Wert "Mitgefühl". Ich bin fast vom Stuhl gekippt als eine eingeladene Pädagogin mal in einem Vortrag im Kindergarten meinte, Mitgefühl und Empathie würde sich erst so mit sieben oder acht Jahren entwickeln. Nein, auch schon kleine Kinder fühlen mit, wenn jemand traurig ist oder sich weh getan hat. Das kann ich auch an meinem 2 1/2-Jährigen täglich beobachten und entsprechende Situationen begleiten. Dies gilt auch für viele andere Werte, die mir wichtig sind, beispielsweise "Respektvoller Umgang mit anderen Lebewesen und mit der Natur", "Anstrengungsbereitschaft", "Hilfsbereitschaft", "Demokratie" oder "Geschichtsbewusstsein". Natürlich sind je nach Alter der Kinder immer mal wieder andere Themen aktuell. Der letzte Punkt ist mir vor allem in der heutigen Zeit sehr wichtig und ich bin froh, dass meine große Tochter die Möglichkeit hatte nach Oswiecim in Polen zu fahren und die Gedenkstätten in den Konzentrationslager dort zu besuchen.
Ich denke schon, dass Kinder spüren und merken, welche Werte ihre Eltern vertreten. Auch wenn sie selbst vielleicht später andere Werte entwickeln oder manches für übertrieben halten, brauchen sie doch ein Gegenüber, das Orientierung bietet und mit dem sie sich auseinander setzen können. Eine neutrale Haltung wäre mir da zu wenig.

Wie denkt ihr darüber? Welche Werte sind euch wichtig?

Kommentare:

linnea hat gesagt…

Ich bin der Meinung, dass eine neutrale Haltung sowieso eigentlich unmöglich ist: Unser Kinder sehen, wie wir uns im Verkehr, beim Kontakt in Geschäften usw. und vor allem ihnen gegenüber verhalten und werden schon allein daraus mit der Zeit auch in ihrem Verhalten geprägt. Ich selbst agiere und möchte keinesfalls wertneutral erziehen. Mir sind Zuverlässigkeit, Hilfsbereitschaft, Verantwortungsgefühl usw. wichtig und ich versuche, meinem Sohn und auch schon der Kleinen einerseits diese Dinge vorzuleben, andererseits Werte auch ab und an als Thema aufzugreifen, beispielsweise, wenn eines der Kinder mich durch sein Verhalten verletzt hat. Liebe Grüße Linnea

Sarah hat gesagt…

Ich denke auch, dass wir sowieso vorleben und die Kinder von unserem Miteinander geprägt werden.
Dann wiederum gibt es Themen, wo ich gern klar meine Meinung sage (es ist aber dennoch MEINE Meinung), weil ich sie wichtig finde. Wichtig, dass meine Kinder davon wissen und erfahren. Ich fände es schade, mich so sehr zurück zu nehmen, dass z.B. Freunde oder Lehrer meine Kinder mehr prägen als ich als Elternteil.
Generell sind wir aber sehr offen und tolerant, flexibel und gern im Gespräch. Es gibt ja nie nur die "eine Wahrheit", und auch das ist etwas, was ich meinen Kindern gern mitgeben möchte.

Und das mit dem Mitgefühl bei kleinen Kindern kann ich auch so bestätigen. Gerade meine Kleinen haben viel Empathie gezeigt und waren schnell dabei andere zu trösten oder mitzufühlen. Egal ob es sich um Erwachsene, andere Kinder oder Tiere handelte. Trotzdem gab es auch charakterliche Unterschiede - so war mein Sohn eigentlich immer der Mitfühlendste und meine Große hatte oft mehr Distanz.

Frühlingskindermama hat gesagt…

Vielen Dank für Deinen Beitrag, Deine Gedanken zu dem Thema und das Verlinken meines Textes! Ich glaube, wir praktizieren da einen ähnlichen Stil, auch wenn ich eher noch experimentiere und versuche, eine Linie zu finden. Du hast Recht, wenn Urteile in der freien Entfaltung einengen, sollte man aufpassen. Dass humane Grundwerte vermittelt werden, ist mir auch sehr wichtig. Aber da geht es schon los: dem einen Elternteil ist Geschichtsbewusstsein wichtiger, dem anderen Umweltbewusstsein, der dritten Bezugsperson Einfühlungsvermögen und der vierten gar nix. Es ist schwierig, da einen guten Weg zu finden, seine eigenen Ansichten klar zu vermitteln und andere zu akzeptieren. Andererseits ist es auch schwierig, wenn man derjenige der beiden Elternteile ist, der Werte vermittelt, und der andere nicht oder kaum. Das Thema beinhaltet noch viele Facetten und es wird mich sicherlich weiter begleiten.
Und zum letzten Punkt: ich selbst bin ein sehr empathischer Mensch. Deshalb hat es mich schon immer irritiert, dass davon wenig auf meinen Großen abfärbt. Er ist einfach in dieser Hinsicht ein anderer Typ, wenig einfühlsam bzw. sehr in seiner eigenen Perspektive gefangen, und für mich ist auch klar, wo dies herkommt. Trotzdem betrübt es mich immer wieder, zu sehen, dass man Empathie nicht lernen bzw. Kindern nicht beibringen kann. Vorleben ja, aber ob es angenommen wird, hängt vom Charaktertyp ab. Meine Kleine fühlt auch ganz anders mit als der Große und darüber bin ich sehr froh. Also, es ist vielschichtig...
Liebe Grüße und danke für Deinen Text!