Donnerstag, 20. November 2014

Mutter von vier Kindern

"Wie ist es denn so als Mutter von vier Kindern?" "Ich bin da hinein gewachsen und wachse jeden Tag weiter mit meinen Kindern"

Als ich mit 24 plötzlich schwanger war, hatte ich keine längere Phase des Kinderwunschs hinter mir. Ich hatte den Mann erst kurz vorher kennengelernt. Während ich für die Diplomprüfung paukte, wagte er gerade seine ersten Schritte ins Berufsleben. Obwohl die Rahmenbedingungen nicht perfekt waren, erfüllte mich die Schwangerschaft mit großer Freude. Ein neuer Lebensabschnitt begann, auf den ich mich  und wir uns einlassen wollten. Die erste Zeit mit dem ersten Kind war nicht immer einfach für mich. Vieles hatte ich mir unkomplizierter vorgestellt, das Stillen wurde zur Tortur. Aber ich wuchs langsam ins Muttersein hinein. Das erste Jahr lebten wir sehr idyllisch direkt am Rhein, wo ich in der Natur Kraft schöpfen konnte und erste Kontakte zu anderen Müttern suchte. Damals hat mich auch meine Mutter mit wöchentlichen Besuchen unterstützt und mir Freiräume verschafft. 

Die zweite Schwangerschaft kam schnell, viel zu schnell für meinen Geschmack. Viele Veränderungen standen an: Hochzeit, ein Umzug, neue Menschen kennen lernen. Die Zeit mit zwei kleinen Kindern war aber trotzdem schön, leicht und unkompliziert. Ich fühlte mich angekommen und eingebunden, hatte viel Energie auch für andere Projekte. Die Familie fühlte sich komplett an. In dieser Zeit konnte ich auch mein Studium abschließen.

Und danach fehlte was! Der Berufseinstieg misslang, ein unglücklicher 400€-Job... wie schön wäre jetzt noch einmal eine Schwangerschaft. Die kam dann auch prompt und war für mich eine Schwangerschaft zum Genießen. Auch die erste Zeit mit Baby habe ich als sehr schön in Erinnerung. Drei Kinder, das war für mich eine runde Sache. Als Linnea geboren wurde, waren Tabea und Leander 9 und 7 Jahre alt. Ein gutes Alter! Ich konnte mich intensiv um die Kleine kümmern und hatte trotzdem auch genug Zeit und Kraft für die immer selbstständiger werdenden Großen. Mit drei Kindern fühlte sich für mich alles richtig und ausgeglichen an. Ich war die Mutter, die ich sein wollte.
Im Nachhinein betrachtet war aber vielleicht doch nicht alles perfekt. Der 40. Geburtstag nahte und damit die Frage, was nun noch kommen würde. Ich wusste es nicht und so hat mir anscheinend das Schicksal die Entscheidung angenommen. Das anzunehmen war für mich ein durchaus schwerer Prozess mit Tränen und letzter Kraft. Aber wir wachsen zusammen. Ich lasse mich ein auf mein viertes Kind, das unbedingt noch zu uns kommen wollte. Mutter von vier Kindern zu sein ist nicht leicht. Oft bin ich frustriert, weil ich mich sehr gerne intensiver mit einem Kind beschäftigen möchte, während auch ein anderes Kind Aufmerksamkeit braucht. Ich springe also vom Wickeln zu Kafka zum Einmaleins zu Bauklötzen und zum Klimawandel, denke mit bei der Wahl der neuen Fußballschuhe, der Anmeldung im Kindergarten und Problemen mit Freundinnen. Oft hätte ich das lieber ganz in Ruhe nach und nach statt gleichzeitig, aber ich schaffe es. Ich schaffe es, weil ich meine Grenzen wahrnehme, nicht alles mit mache und weil es immer wieder Momente zum Kraft schöpfen gibt: Abende zu zweit, Nächte, in denen ich schlafen kann, Auszeiten und gute Gespräche. Uns geht es gut, mir geht es gut! 

Vor einigen Monaten habe ich mich sehr über einen Satz geärgert, den meine Mutter gesagt hat: “Ja DU bist ja auch für Kinder gemacht!“ Sie wollte mir wohl eigentlich etwas positives rückmelden, aber bei mir kam das nicht gut an. Denn die Mutter, die sich für ihre Kinder aufopfert, kann und will ich nicht sein. Vielmehr bin ich überzeugt, dass ich nur dann eine gute Mutter sein kann, wenn ich erst einmal ich selbst sein kann.  
Vier Kinder im Abstand von 16 Jahren bedeutet, dass ich voraussichtlich 34 Jahre lang Kinder im Haus habe und danach werden wohl längst die ersten Enkel vor der Tür stehen. So ist das Leben!

Kommentare:

Frische Brise hat gesagt…

Sybi hat gesagt…

Deine Geschichte habe ich sehr gerne gelesen! Ja, vier Kinder sind bestimmt eine Herausforderung für Eltern und Familie, aber es hat auch viele gute Seiten, denke ich - auch für die Kinder. Ich finde ja, du machst das alles ganz toll! <3

Tafjora - eine deutsche Familie in Frankreich: Und noch ein Mama-Blog! hat gesagt…

Kann und will einfach nur ein ❤️ hier dalassen.