Samstag, 30. August 2014

Blogparade "Mommy Wars": Die Sache mit dem "sich wehren"

Blogparade zum Thema “Mommy Wars“ von “Mama on the rocks“ zusammen mit Muffinqueen und  Moms Office. Wo erleben wir unerwünscht Kommentare und Einmischung von anderen Müttern / Vätern und wie kann man darauf reagieren?

Die Sache mit dem “sich wehren“!

Noch vor wenigen Tagen habe ich eine Szene erlebt, die zum Thema passt: Mein Sohn Elias (15 Monate) und ich waren zum ersten Mal in der Spielgruppe bei uns im Ort. Mamas (Papas dürfen natürlich auch) und Kinder treffen sich zum Singen, Spielen, gemeinsam Frühstücken und Quatschen. Elias hat sich mit offenem Interesse alles angeschaut, die Funktionen der Spielküche untersucht und das Regal ausgeräumt. Die anderen Kinder waren für ihn zunächst weniger wichtig. Für die letzte halbe Stunde werden Fahrzeuge, wie Laufräder und Rutschautos raus gestellt, um im großen Flur herum fahren zu können. Elias hat sich ein rotes Rutschauto ausgesucht, konnte aber wegen boch zu kurzer Beinchen noch nicht damit fahren, sondern saß einfach da und schubbelte gut gelaunt hin und her. Plötzlich kam ein anderes Kind und versuchte ihn mit massivem Körpereinsatz vom Auto zu drängen. Da ich daneben stand und Elias mich erstaunt und fragend anschaute (solche Attacken kennt er noch nicht), hob ich ihn von dem Auto und setzte ihn auf ein anderes. Gleichzeitig sagte ich zu dem Jungen: “Du möchtest unbedingt auf das rote Auto? Es gibt ja genug!“ Irgendwas habe ich wohl falsch gemacht. Die Mutter des anderen Kindes sagte nämlich daraufhin zu meinem Sohn: “Du musst aber noch lernen, dich zu wehren!!!
Leider fallen mir mögliche Antworten auf solche Aussagen immer zu spät ein, weil ich in so einem Moment erst einmal fassungslos bin. Was erwartet sie? Hätte mein Sohn ihrem Kind einen kräftigen Schubs verpassen sollen? Ihn womöglich kneifen oder kratzen? Ein Kind, das er noch gar nicht kennt? Für ein belangloses Auto?
Ich war auch deshalb fassungslos, weil mir klar wurde, dass ich den Satz “Du musst aber noch lernen dich zu wehren“ bei meiner Tochter nie gehört habe. Anstatt Konflikte ruhig und diplomatisch zu klären, sollen Jungen lernen mit körperlicher Gewalt zu reagieren? Diese Vorstellung scheint in einigen Köpfen tatsächlich noch vorhanden zu sein. Von mir und meinem Umgang mit den Kindern ist das so weit weg. Gewaltfreie Erziehung ist mir wichtig! Es liegt mir fern, meinem Kind zu sagen: "Hey, er will dir etwas weg nehmen, jetzt hau ihm aber endlich mal eine runter!" Sehr fern!
Was hätte ich antworten können? “Der Klügere gibt nach?“ Soll ich mich überhaupt auf eine Diskussion mit dieser Mutter einlassen? Ich kann mir gut vorstellen, dass ähnliche Situationen wieder auftreten. Vielleicht habt ihr Ideen?
“Wir finden schon eine friedliche Lösung!“, "Give peace a chance!"

Kommentare:

frau kreativberg hat gesagt…

Wenn ich meinen Kleinen da runterholt hätte vom Auto, hätte er sicher protestiert.
Ich glaub, ich hätte das andere Kind darauf hingewiesen, dass jetzt eben das Auto besetzt ist und es entweder warten kann ein bisschen oder eben ein anderen Fahrzeug, das frei ist nehmen soll.
Generell glaube ich eher nicht, dass es bei Buben und Mädchen "richtige" Unterschiede gibt. Meine Mädels können sehr grob (und laut) sein, wenn sie sich auf irgendeine Art und Weise wehren wollen. Gelernt haben sie das nicht (von uns). Die große Schwester lehrt sie wohl das meiste - und irgendwie scheint da wohl auch viel "Instinkt" zu sein, denke ich mir manchmal. Kennst du die Doku "Babies"? Da kann man das gut beobachten - egal aus welchem Land, Kinder streiten, wehren sich etc. Manchmal sogar die Kleinsten.
Ich glaub, das wichtigste ist, dass die Kinder in solchen Situation spüren, dass sie nciht alleine sind - Mama hilft beim Regeln eines Konflikts. Ich glaube, solche Erfahrungen bestärken und zeigen dann auch Wege, um später selbst Konflikte zu lösen.

Micha hat gesagt…

Danke für den Hinweis Maria, mir geht es ja nicht darum, das “anderen Grenzen setzen“, das vom Kind ausgeht, zu kritisieren. Aber wenn Mütter das Kind dazu antreiben, finde Ich das schwierig.
LG, Micha

creawolle.de hat gesagt…

Liebe Micha,

diese Situation hätte ich auch vor ca. 15 Jahren mit meinem Sohn so erleben können. Er hat immer nachgegeben, sich nicht "gewehrt". Ich wurde sogar einmal von einer Lehrerin darauf hingewiesen, dass ich ihn wohl zu "pädagogisch" erzogen hätte (wenn ich jetzt so darüber nachdenke, war das eine richtig Frechheit). Mein Sohn ist heute noch so, wehrt sich kaum, in jeder Hinsicht. Aber er kann gut damit umgehen, ist sehr beliebt und setzt "anders" seine Grenzen. Ganz ehrlich, ich war immer froh, dass er so war und ist, mein Mann und ich sind nämlich auch so. Friedfertig, sozial und vielleicht ein bisschen harmoniesüchtig. Das diskutieren mit anderen Müttern habe ich schnell aufgegeben. Jungs sollen sich, so die Auffassung von vielen, einfach körperlich wehren. Ich habe dieses Gerede ignoriert und bin meinen Weg gegangen, auch wenn es mich oft noch geärgert hat.
Vielleicht konnte ich Dir damit helfen und toll, wie sich Dein Sohn und Du verhalten haben.

Liebe Grüße,

Martina

linnea hat gesagt…

Ich schließe mich Maria in einigen Punkten an: ich hätte meinen Sohn wohl nicht runtergenommen, höchstens ihn gefragt, ob er dem anderen Jungen platz machen möchte. Das mit dem "Wehren" würde ich daher auch gar nicht so als körperlichen Akt auffassen, sondern i.w.s. als Vertretung der eigenen Interessen. Liebe Grüße Linnea

Mama on the rocks hat gesagt…

Liebe Micha, danke fürs Mitmachen an der Blogparade! Ich finde das ein gutes Beispiel für Mommy wars. Du hast Dich (und Deinen Sohn) angegriffen gefühlt, weil die andere Mutter eine Grenze des Einmischens überschritten hat. Man kann gut finden oder auch nicht, dass Du Deinen Sohn vom Auto genommen hast. Es geht aber keinen was an! Ich glaub, Du machst Das alles ganz richtig, Du kennst Deinen Sohn am besten Ausserdem ist er ja wirklich noch sehr klein - egal ob Mädchen oder Junge. Ich wünsch Dir weiterhin viel Spass mit Deinem Sohn :-)!

Sam MomsOffice hat gesagt…

Schönes Beispiel zu unserer Blogparade "Mommy Wars".
Du hast in dem Moment auf Dein Bauchgefühl gehört und Deinen Sohn auf den Arm genommen.Das ist völlig okay, wie ich finde.

Auch ich hatte immer eine Abneigung dagegen, dass meine Kinder ihre Konflikte in einer Rangelei klären sollten und habe versucht ihnen beizubringen, ihre Meinungsverschiedenheiten friedlich zu klären. Nur da waren sie schon älter.
Irgendwann habe ich aber nicht mehr mit ansehen können, dass sie immer den Kürzeren ziehen. Da habe ich ihnen dann erklärt, dass sie niemals anfangen dürfen zu hauen, schubsen usw.. Aber sie dürfen sich wehren, bzw. sich Hilfe bei den Erziehern und Lehrern holen.
Ich habe noch nie mitbekommen oder von anderen gehört, dass meine Jungs sich hauen.Dafür aber über beide, dass sie sehr sozial sind und sich für Schwächere einsetzen.
Ob das vielleicht daran liegt, dass ich sie, als sie klein waren, auch aus der Situation nahm, wenn sie mich hilfesuchend angeschaut haben?
Keine Ahnung! Aber es ist gut, wie es ist.
Ich wünsche Dir und Deinem Kleinen für die Zukunft viel Spaß und ganz wenig MommyWars:-)

MuffinQueen hat gesagt…

Manchmal kann man nur den Kopf schütteln und so geht es mir leider auch bei deinem Beispiel. Ich weiss selbst nicht wie ich reagiert hätte. Vermutlich wäre ich nicht weniger baff gewesen.

Wie kommt man dazu auf eine so unangenehme Art und Weise Kritik an einer anderen Mutter zu äussern? Aber lass dich nicht runterziehen von solchen Weltbildern, ich denke (und hoffe) sie sind nicht mehr ganz so weit verbreitet wie auch schon.

Ein toller Beitrag zu unserer Blogparade! Merci!