Montag, 24. Februar 2014

Diskussion zum Thema "Vereinbarkeit von Familie und Beruf"

Vorgestern haben wir ein interessantes Symposium in der Ärztekammer Nordrhein besucht. Der Arztberuf ist ja klassischerweise ein Beruf, in dem nicht auf die Uhr geschaut wird. Ein Krankenhaus hat immer geöffnet und die Ärzte haben eigentlich auch immer da zu sein. Wie das im Familienalltag aussieht habe ich über viele Jahre erlebt. Es gab viele Wochenenden und Feiertage ohne Papa, sehr viel Stress und Ärger, der mit nach Hause gebracht wurde. Bis mein Mann die Notbremse gezogen hat und nun als niedergelassener Ärztlicher Psychotherapeut seine Zeit frei einteilen kann. Das ist ein Riesengewinn an Lebensqualität!
Die Vortragenden beim Symposium erzählten immer auch ihre persönliche Geschichte. Da gab es die erfolgreiche Karrierefrau, die zwei Top-Stellen und drei Kinder hat. Als Zuhörerin fragt man sich da ungläubig, wann sie schläft, aber sie lüftete das Rätsel selbst, indem sie am Ende ihres Vortrags zugab: Hinter jeder erfolgreichen Frau, steht ein frustrierter Mann!
Da gab es die erfolgreiche allein erziehende Karrierefrau, die von der Bedeutung entscheidender Förderer und Schlüsselpersonen sprach. Das scheint in der immer noch sehr hierarchisch organisierten Medizin der entscheidende Faktor zu sein. Den Chefärzten in den Kliniken kommt aber auch eine Schlüsselrolle zu, wenn es um familienfreundliches Arbeiten geht. Viel zu oft werden Oberärzte immer noch ausgelacht, wenn sie Elternzeit nehmen wollen, Ärztinnen werden schnell aufs Abstellgleis geschoben, wenn sie Mutter werden. Sich in so einem Klima durchzusetzen kostet viel Kraft. In Essen gibt es an der Uni-Klinik einen Väterbeauftragten, der sich um Vereinbarkeitsfragen kümmert und auch schon mal bei abteilungsinternen Konflikten hilft.
Viele Kliniken haben das Thema zwar inzwischen für sich entdeckt, in vielen Köpfen ist es aber leider noch nicht angekommen. Die nächste Generation der jungen Ärztinnen und Ärzte wird sich jedoch wohl nicht so leicht abspeisen lassen. Die MedizinstudentInnen von heute formulieren ganz klar, wie sie sich zukünftiges Arbeiten vorstellen. Mit viel Begeisterung für den Arztberuf und einer selbstverständlichen Erwartung Beruf und Familie in Einklang bringen zu wollen, treten sie an, die verkrusteten Strukturen vor allem in den großen Kliniken zu durchbrechen. Dafür kann man nur ganz fest die Daumen drücken.
Ich habe viel nachgedacht gestern. Wäre mir vielleicht auch ein Einstieg in den Beruf gelungen, wenn mein Mann anders hätte arbeiten können? Nun es ist wie es ist, aber es ist gut, wenn sich mal was ändert!

Kommentare:

Tinka B. hat gesagt…

Ich denke, das ist nicht nur bei Ärzten so, sondern auch im normalen Business, hier ist es genau das selbe, mein Mann hat einen Managerposten und die Probleme sind sehr ähnlich. Einer muss immer zurückstecken. Und bei den Karrierefrauen mit Familie bleibt meist auch was auf der Stecke, sei es die Partnerschaft oder die Kinder.
LG
Tinka

linnea hat gesagt…

eine gute und wichtige diskussion. bei uns stecke auch ganz klassisch ich zurück, aber nicht, weil wir das frei so entschieden hätten, sondern weil mein mann mit dem feuerwehrleitungsbereich in einer domäne zuhause ist, die sowohl heftige schichtdienstzeiten als auch das völlige fehlen von teilzeitmodellen impliziert. immerhin eine kurze elternzeit wird er nehmen.
linnea