Montag, 3. Juni 2013

Bindung

Der Text ist schon in der Klinik entstanden.
Eine der schönsten Erfahrungen in den ersten Tagen mit Baby ist das Entstehen der Bindung. Ich nehme das nun beim vierten Kind viel bewusster wahr.
Als die große Tochter vor nun fast 16 Jahren in der Kölner Uniklinik geboren wurde, gab es dort auf der Wöchnerinnenstation noch eine streng abgeriegelte Kinderabteilung. Dort wurden die Babys nachts von Kinderschwestern versorgt und nur zum Stillen zu den Mamas gebracht. Tagsüber stand das Baby im Bettchen am Bett der Mutter und sollte möglichst auch da bleiben. Kind mit im Bett wurde jedenfalls nicht gerne gesehen (es kursierte das Phantom "Infektionsgefahr").
Heute sind die Babys natürlich selbstverständlich bei den Müttern im Zimmer und auch wenn die "Broschüre für sicheren Schlaf" immer noch das Schlafen im eigenen Bettchen propagiert, gibt es doch keine Kritik.
Der Körperkontakt ist essentiell für das Entstehen der Bindung, aber auch das einfühlsame Reagieren auf die Signale des Babys. Suchende Bewegungen mit dem Mündchen zeigen Hunger an noch ehe sich ein Kind durch Schreiben bemerkbar machen muss. Besonders beeindruckt hat mich das Suchen des Blickkontakts, das ganz genaue Anschauen von Mama, Papa und Geschwistern. So als wollten Stimmen und Gesichter zugeordnet werden.
Damit Bindung gelingen kann, sind Ruhe und ein sicheres Gefühl bei der Mutter wichtig. Babys reagieren sehr sensibel auf Spannungszustände und spüren jegliche Unsicherheit. Natürlich gibt es immer Situationen, die man nicht sofort einschätzen kann. Besonders nachts, wenn Schlafmangel an der Geduld zehrt, gelingt es manchmal nicht, adäquat zu reagieren. Das Baby schreit weiter, man wird angespannter und fühlt sich hilflos. Daraus kann leicht ein Teufelskreis entstehen.
Ein hilfreicher Ausweg kann es sein, dann nachsichtig mit sich zu sein und in der Situation zu bleiben. "Das ist alles neu für mich, beim nächsten Mal werde ich versuchen, mit mehr Ruhe und Gelassenheit zu reagieren." Sehr hilfreich ist in diesem Zusammenhang die Achtsamkeitspraxis, wie sie z.B. in dem Buch Ressourcen für Mütter: Praktische Hilfen für die Zeit der Schwangerschaft und das erste Jahr mit ihrem Baby beschrieben wird. Versuchen im Hier und Jetzt zu bleiben! Ich sitze jetzt hier und bin müde, mein Nacken ist verspannt und die Augen wollen zufallen. Ich atme tief ein und aus und bin ganz einfach müde hier und jetzt. Mit dem Atmen werde ich ruhiger und strahle diese Ruhe auf mein Baby aus, das meinen Atem hört und sich langsam auch beruhigen kann.
Mir persönlich hilft es auch, in Blogs zu lesen, wie es anderen Frauen geht. Ganz deutlich wurde das ja zum Beispiel in dem Tagebuchprojekt von Frau Brüllen, bei dem so viele Bloggerinnen mitgemacht haben. Dieses spürbare Mitgefühl oder das Erkennen von Gemeinsamkeit tut einfach gut und hilft auch an schlechten Tagen.

1 Kommentar:

Frische Brise hat gesagt…

Ein schöner Eintrag!

Wunderbar, dass es so gut läuft bei Euch.

Ich merke aber auch, dass ich von Kind zu Kind entspannter und sicherer werde. Das trägt bestimmt auch zu zufriedenen Babys bei ;-)

Alles Gute weiterhin!