Dienstag, 30. Oktober 2012

Helikoptereltern

Schon seit einiger Zeit geistert der Begriff "Helikopter-Eltern" durch die Presse. Der Radius, in dem sich Grundschüler unbeaufsichtigt bewegen, wird immer kleiner. Eltern sind in ständigem Kontakt zu den Lehrern ihrer Kinder und auch später scheint das kein Ende zu nehmen. Zahlen des statistischen Bundesamtes 2010 geben an, dass 71% der männlichen Jugendlichen im Alter von 24 Jahren noch zu Hause wohnen, bei den weiblichen jungen Erwachsenen sind es 57%.
In welchem Ausmaß Eltern in Amerika sich in das Arbeitsleben ihrer Kinder einmischen, stellt die Grafik "The Problem with Hovering. When Helicopter Parents invade the workplace" eindrucksvoll dar. Eltern verabreden Vorstellungsgespäche für ihre Kinder, schreiben Bewerbungen und rufen an, um sich zu beschweren, falls ihr Kind die Stelle nicht bekommen hat.
Sicher lassen sich viele Eltern vom wirtschaftlichen Druck dazu verführen. Allerdings verkennen sie, dass aus Kindern irgendwann Erwachsene werden sollen, die selbst in der Lage sind, sich um ihren Beruf zu kümmern, Behördengänge zu meistern und selbstsändig zu leben.
Zugegeben - auch ich finde es nicht immer einfach, die Kinder loszulassen und doch finde ich es wichtig, die Übungsmöglichkeiten, die sich bieten, zu nutzen: Die Sechsjährige kann auch mal alleine zum Spielplatz gehen, der 13jährige alleine zur Kieferorthopädin fahren, die 15jährige sich selbst um einen Praktikumsplatz kümmern.
Was meint ihr zu dem Thema? Wie sehr sollte man Kinder behüten oder sie früh selbst in die Welt ziehen lassen?
hovering is an European problem too, more and more 20somethings live at home and starts later in a life of their own

Kommentare:

linnea hat gesagt…

seit ich selbst mutter bin, weiß ich, wie schwer es manchmal ist, die eigenen kinder "allein" zu lassen, sie gehen zu lassen. das erste mal allein schlafen, das erste mal von einer anderen person betreuen lassen - kaum hat man ein kind, fängt das loslassen an.
dennoch glaube ich, dass man seinen kindern soweit vertrauen sollte, dass sie vieles schaffen. am wichtigsten ist es wahrscheinlich, zu spüren, wie groß ihre angst vor bestimmten situationen ist und dann zu überlegen, wie weit man in der hilfestellung geht: wenn die sechsjährige auf dem weg zum spielplatz an einem hund im nachbarsgarten vorbeimuss, aber davor zittert, würde ich wohl bis zu dieser stelle mitgehen und sie nach dem spielen abholen. um dann nach und nach immer weniger präsent zu sein.
ich orientiere mich sehr an meinen eigenen eltern, die für mich dieses schwierige thema toll gemeistert haben. am besten finde ich bei ihnen, dass sie mich nie mit ihren ängsten "umklammert" haben, sondern uns geschwister immer haben ziehen lassen. ich bin mit 15 von zuhause ausgezogen, mit 16 allein mit meinem jetzigen mann in den urlaub gefahren, mit 16 haben wir uns auch verlobt, mit 18 zusammen in der studienstadt gewohnt - das war sicher nicht immer einfach für sie zu akzeptieren, aber ich habe nie einen vorwurf zu hören bekommen, nur den halt in schwierigen momenten gespürt.
linnea

Die Raumfee hat gesagt…

Bevor ich ein Kind hatte, hab ich das auch ganz großzügig gesehen. Mit Kind und in der Stadt sehe ich es deutlich enger. Einen Achtjährigen noch zur Schule bringen? Nein.
Ihn die Verantwortung für das Erledigen der Hausaufgaben und der Komplettierung der Büchertasche selbst tragen lassen? Ja. Ihn allein im Dunklen von einem Freund quer durch die Stadt nach Hause laufen lassen? Nein.
Wo fängt die Überbehütung an und wo die Verantwortungslosigkeit?
Für mich da, wo ich echte Gefahren für mein Kind sehe, ansonsten bin ich für möglichst frühes Erlernen von Eigenverantwortung.

Lieber Gruß,
Katja

Flottelottablau hat gesagt…

Ich habe drei Kinder und Handhabe das mit der Selbständigkeit individuell...Mein großer Sohn und meine kleine Tochter haben wenig Scheu vor der Welt, meine Mittlere dagegen ist etwas ängstlich, traut sich nicht so viel...er werde sie nicht drängen...ich war genauso...und bin am Ende auch selbständig geworden. Unser Hort allerdings übertreibt es mit der Selbständigkeit, wir haben einen offenen Hort, jedes Kind kann selbständig entscheiden, wo es sich aufhalten möchte und was es mit der Zeit anfangen möchte, wann es Hausaufgaben machen möchte etc. Aus meiner Sicht sind Erstklässler damit völlig überfordert...und oft weiß niemand, wo sich meine Tochter gerade aufhält...mit Aufsicht hat das nichts zu tun! LG Lotta.

ramona hat gesagt…

Interessantes Thema. Meine Kinder in Montessorieinrichtungen untergebracht, ist das Thema ja ganz groß geschrieben. Eigenverantwortung und Vertrauen in die Kinder. Ich schaue, wie geht es meinem Kind und was traut es sich zu. Auch mal einen kleinen Stubser geben über sich hinaus zu wachsen. Grade hier ist es Thema, ob es zu locker ist, einen 4 jährigen allein in der Siedlung spielen zu lassen. Ich vertraue ihm da. Einige andere Nachbarn sehen das etwas enger. Nun ja. Es ist eine Gradwanderung zwischen Vertrauen udn Verantwortung.