Mittwoch, 10. Mai 2017

Rezension: "Was alles war" von Annette Mingels

Der Roman "Was alles war" von Annette Mingels aus dem Knaus Verlag ist für mich ein Buch, das ich nur ungern aus der Hand lege. Tatsächlich, lese ich darin Seite und Seite und kann nicht aufhören, so sehr bin ich von der Geschichte um Susa gefesselt.
Der Roman beginnt damit, dass die junge Meeresbiologin Susa ihre leibliche Mutter trifft. Sie hatte eine glückliche und unbeschwerte Kindheit bei ihren Adoptiveltern und war dann doch irgendwann neugierig, die leibliche Mutter kennen zu lernen. Bei diesem ersten Treffen bleibt sie distanziert und doch löst es einiges bei ihr aus. Es gibt da eine Vorgeschichte, ihre eigene Vorgeschichte, die bei ihr hängen bleibt und auch dann als sie Henryk und seine Töchter kennen lernt und mit ihm eine Familie gründet, im Hintergrund mitschwingt.
Das Thema "Familie" ist auf verschiedene Art und Weise ganz zentral in diesem Buch. Zum einen geht es um die Herkunftsfamilie, was Familienbande ausmacht und ob es einen Verbindung zur leiblichen Mutter, bei der Susa nicht aufgewachsen ist, gibt. Zum anderen geht es aber auch um den Alltag in der Patchworkfamilie, in der Susa lebt, die Beziehung zu Henryks Töchtern und ihrem eigenen kleinen Sohn und immer wieder das Spannungsfeld rund um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Annette Mingels schreibt mitten aus dem Leben und ich muss beim Lesen ganz oft nicken und sagen: "Ja, genau das Gefühl hatte ich auch schon oft !" oder "Der Gedanke ist mir dazu auch schon gekommen." Mich hat die Autorin mit ihrem Schreibstil sehr in ihren Bann gezogen. Sie verharrt nicht in einem gleichmäßigen Erzähltempo, sondern wird zwischendurch schneller, hastet von einem zum anderen Punkt, so wie auch die Protagonistin, keine Ruhe findet. Im Trailer-Video zum Buch verrät Annette Mingels, das einige Punkte in dem Roman einen persönlichen autobiographischen Bezug haben, und dass es ihr teilweise nicht leicht gefallen ist, darüber zu schreiben. Vielleicht wirkt die Protagonistin auch deshalb manchmal sehr zerbrechlich.
Für mich eine unbedingte Leseempfehlung, für alle, die sich gern auf ein nachdenkliches und trotzdem sehr spannendes Buch einlassen mögen.

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